Rudern auf den Limfjord

Mit einem Inrigger Zweier und einem Wandereiner planen wir zu Viert (Katharina, Peter, Frank, Hans-Martin) die Insel Mors im Limfjord zu umrunden. Wir treffen uns in Schleswig und fahren gemeinsam nach Nyköbing in Nordjütland um dort den Inrigger zu übernehmen.

Anne Marie vom Ruderklub Nyköbing empfängt uns freundlich, das schöne und relativ neue Boot Fegge liegt bereits vor der Bootshalle und die Ruderkolleginnen und Ruderkollegen versorgen uns mit guter Ausrüstung und nützlichen Hinweisen. Wir beladen die Boote, rudern ein paar Proberunden mit Fegge und Novecento und bereiten alles für den kommenden Rudertag vor, bevor wir unser Zimmer in der benachbarten Jugendherberge beziehen.

Nyköbings motorisierte Jugend versammelt sich vor der Jugendherberge und dem Bootshaus zur spontanen Party um – wie wir – den langen Sommerabend am Fjord zu geniessen – jeder auf seine Weise.

Nach Diskussion der Wetterprognosen und heute erreichbarer Ziele (Fur, Livö oder doch Lögstör?) und nach einem guten Frühstück rudern wir am nächsten Morgen die erste längere Strecke über offenes Wasser zur Insel Fur. Dort angekommen ziehen wir eine erste Bilanz: Das Rudern im Inrigger bei etwa 40cm Wellenhöhe ist trotz Rückenwind mit Windstärke 4 mühsamer als erwartet und offenbar auch mühsamer als das Rudern in dem Wandereiner. Trotzdem wollen wir versuchen den Ruderklub von Lögstör heute zu erreichen.

Als wir spät und nach insgesamt 36km in Lögstör ankommen ist klar, daß wir derart lange Strecken nicht wieder rudern werden und daß 20km-25km Strecken den Bedingungen eher angemessen sind.

Während der folgenden Tage nimmt der Wind ab, es bleibt sonnig und heiß. Am Hafen von Amtoft zelten wir, in Thisted übernachten wir im Bootshaus des dortigen Ruderklubs und baden hier, an einer von Quallen freien Stelle im Fjord.

Nach vier Rudertagen wünschen wir uns Komfort und buchen im Skipperhuset neben der Fähre Neessund eine Ferienwohnung. Die Wirtsleute sind fürsorglich, wir geniessen den Sommerabend auf dem Balkon mit Blick auf den Fjord und die Boote, die selbst erhitzten Ravioli, das kühle Bier und das umfangreiche Frühstück am nächsten Morgen.

Routine stellt sich ein. Die Sucherei nach Ausrüstung und Klamotten wird weniger, die Dinge haben ihren Platz gefunden. Beim Rudern machen wir mehr und längere Pausen, die Orientierung auf den weiten Wasserflächen mit Kompass und Karte oder mit dem Navi funktioniert ordentlich.

Seit Anfang der Tour folgen uns gelegentlich einzelne neugierige Seehunde. In der Nähe des Naturschutzgebietes Agerö rudern wir mit dem gebotenen Abstand an einer Seehundkolonie vorbei.

Auf Jegindö wollen wir wenigstens einmal auf dieser Tour in Sheltern oder unter freiem Himmel übernachten. Als aber nach dem „Kartoffelpü mit Sauerkraut und Würstchen“ die Mücken den Platz in Besitz nehmen, geben wir den Plan auf und bauen doch wieder die Zelte auf.

Nach sechs sehr warmen und sonnigen Rudertagen und 150 Kilometern endet unsere Tour an ihrem Ausgangspunkt in Nyköbing rechtzeitig bevor das Wetter schlechter wird. Für die Mühen des Ruderns wurden wir durch relative Abgeschiedenheit und die Weiten der Gewässer und des Himmels entschädigt.

Reine Gepäckfahrten mit Ruderbooten sind selten. Ich hoffe, daß wir auf dieser Fahrt ein gutes Gleichgewicht aus „Outdoorabenteuer“, „Komforturlaub“ und „Erlebnisrudern“ gefunden haben.